Die Geschichte des ersten Malers Knief in Winsen von 1803

Heutzutage zählen die Kniefs zu den Winsener Familien, die mit ihrem Handwerk eine echte Tradition haben aufbauen können. Der Familienbetrieb wird von Ernst-Martin Knief bereits in der fünften Generation geführt und ist aus der Luhestadt nicht mehr wegzudenken. Aber aller Anfang ist schwer. Der erste Knief, der nach Winsen kam und als Glaser und Maler tätig werden wollte, damals waren diese Gewerke beinah untrennbar miteinander verbunden, blitzte ab und musste wieder von dannen ziehen. Warum Wilhelm Knief im Jahre 1803 nicht in Winsen sesshaft werden konnte, hat Franz Rödiger 1971 anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Maler- und Lackierer-Innung in einer Festschrift festgehalten. Unter der Überschrift „Aufnahme von Häuslingen“ findet sich folgender Akteneintrag der Innung, der hier im Original wiedergegeben wird:

Die Geschichte des ersten Malers Knief in Winsen von 1803

Actum zu Rathhause Winsen an der Luhe
den 5. Februar 1803
Praes. Bürgermeister Küster
Camer. Röver
Senator Bergstede
betref

Aufnahme von Häuslingen

Der hier in Arbeit stehende Glaser-Geselle
Johann Martin Knief

hatte darum nachgesucht, daß es ihm erlaubt seyn möge sich hier zu verheirathen, und als Bürger oder Häusling sich hier zu besetzen. Deshalb war derselbe auf heute vorgeladen und gab auf befragen womit er sich zu nähren gedenke, und ob er Vermögen besitze, zu vernehmen

Er denke hierselbst das Glaserhandwerk, oder da dieses nicht erlaubt sey, die Malerey zu treiben und sich zu ernähren. Besonderes Vermögen habe er nicht, indeß werde ihm seine Frau so viel zubringen, daß er die erste Einrichtung damit bestreiten könne.

Magistratswegen wurde demselben bedeutet, daß weil durch Verfügung des Königl. Staatsministerii nicht mehr als vier Glaser hieselbst wohnen dürfen, Comparent auf dieses Handwerk sich hier nicht besetzen dürfe. Auch könne er hier von der Malerey seinen Unterhalt für sich und Frau und Kinder nicht erwerben, zumal da die hiesigen Glasermeister alle die Malerey zugleich treiben. Es könne ihm daher in Gemäßheit der Verordnung vom 21. May 1792, und weil man nicht ohne Grund besorgen müße, daß, zumal er geständig sey, kein Vermögen zu haben, er oder seine Frau und Kinder der hiesigen Bürgerschaft über kurz oder lang zur Last fallen möge, die Erlaubnis sich hier zu besetzen und ein Trauschein überall nicht ertheilt werden.

Comparent erwiderte darauf: Er habe die hierselbst bey der Wittwe Beek dienende Magd geschwängert und müßte dieselbe heirathen. Sein jetziger Meister, Glaser Wehrhagen, wolle ihn auch nach seiner Heirath noch in Arbeit behalten. Da es ihm nicht gestattet werden solle, sich hier zu besetzen, so wünsche er nur die Erlaubniß zu haben, seine Heirath hier abzuschlieBen. Er wolle sich bemühen, andererwärts als Glaser oder Mahler sich besetzen zu dürfen und bis dahin nicht anders als Geselle hier arbeiten.

Magistratswegen ertheilte man ihm darauf den Trauschein unter folgenden Bedingungen:

  1. daß er als Glasergesell bey einem der hiesigen Meister solange er sich hier aufhalte arbeiten, und
  2. daß er sobald er als Glasergeselle bey einem der hiesigen Meister keine Arbeit finden kann, sofort mit Frau und Kind aus hiesiger Stadt sich wegbegeben, auch
  3. je eher je lieber anderwärts, wo er sich zu nähren Im Stande seyn werde, sein Unterkommen führen solle und wolle.

Welche Bedingungen Comparent nach deren Verlesung sich völlig gefallen ließ und zu erfüllen versprach.

Actum ut supra in fidem
Küster


Dieser, in wunderschöner Handschrift geschriebene Schriftsatz kostete 10 gute Groschen Schreibgebühr und war gerichtet an "Glaßer Röhlsberger & Consorten". So kam es, dass Johann Martin Knief damals noch nicht in Winsen sesshaft werden konnte. Sein Sohn Wilhelm, der in Winsen geboren wurde, erlernte von 1834 bis 1839, also fünf Jahre lang, in Hamburg das Malerhandwerk und zog dann nach Hannover. Erst dessen Sohn, der Enkel des so schnöde abgewiesenen Johann Martin Krief, taucht im Jahre 1884 wieder in Winsen auf. Er heißt auch Wilhelm, wie sein Vater, und bringt es im Jahre 1899 sogar zum Obermeister der Malerinnung. Auch dessen Sohn Ernst wird später Obermeister. Seine Amtszeit fällt in die Zeit des Ersten Weltkrieges.

Wilhelm und Ernst-Martin KniefHeute leben in unserer Stadt zwei Malermeister gleichen Namens:
Wilhelm Knief jr. (heute der Senior) und dessen Sohn Ernst-Martin Knief.